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Monika Seberts Werke fallen durch reich strukturierte Oberflächen sofort ins Auge. Sie ziehen den Betrachter an, machen neugierig, sind dann überraschend im Detail.
Ihre Auseinandersetzung mit Prozessen der Veränderung und mit den Einflüssen der Zeit findet sich in ausdrucksstarken Skizzen wieder, die in kleinem Format, ausgeführt in Wachspastell schon eine eigene bildnerische Welt bieten.
Die Künstlerin geht weiter. Sie nutzt Material und Techniken aus dem textilen Gestaltungsbereich, um zu einer überzeugenden Umsetzung in ein größeres Format zu gelangen. Gekonnt werden Lagen von unterschiedlichen Stoffen mit der Nähmaschine gesteppt und damit interpretiert. Es entstehen flache Reliefs, die, wiederum mit Acrylfarbe übermalt oder mit Rost behandelt, das Thema und die Idee abstrahieren und ihnen eine neue Dimension verleihen. Der Licht- und Schatteneffekt, den man in der Malerei in erster Linie durch pastos aufgetragene Farbe erzielt, wird durch die Interpretation des weichen Materials erzeugt und ergibt einen ganz eigenen visuellen Ausdruck. Kordeln, zwischen zwei Lagen Stoff eingearbeitet, verstärken den Reliefcharakter um ein Vielfaches. Auch sie werden weiter bearbeitet sprich übermalt. Das die Künstlerin auf jeden Aspekt der Gestaltung Einfluß nehmen will, zeigt sich daran, dass auch die eingesetzten Kordeln selbst hergestellt werden. Nur so kann man Länge, Stärke, Form, Struktur und Farbigkeit gezielt auf ein Werk abstimmen. In einem immer wieder zu überdenkenden Prozeß werden malerische und textile Mittel auf- und übereinander gelegt, sie werden verschmolzen, aufgerissen, übermalt, bis der gewünschte Ausdruck erzielt ist: Acryl trifft auf Seide trifft auf Rost trifft auf Papier trifft auf Wachs. Immer spielt bei dieser Vorgehensweise das Risiko eine gewisse Rolle: Wie wird sich die weitere Überarbeitung – textil oder malerisch oder auch destruktiv zerstörend – auf die Bildsprache auswirken? Wie muss dann weiter gedacht und gehandelt werden?
Die Farbwelt ist sehr stark reduziert, geht bis ins Monochrome. Damit tritt Fläche, Linie und Form mehr in den Mittelpunkt. Insbesondere die Linie sei an dieser Stelle noch einmal hervorgehoben. Sie erhält auf vielfältige Weise ihr Gesicht. Da ist zum einen die Stepplinie, die das Relief bildet und damit die Fläche strukturiert, ja, ihr Rhytmus und Dynamik oder Statik verleiht. Sie steht oft dezent im Hintergrund. Dann die schon erwähnten Kordellinien, die kraftvoll wirken, manchmal porös, eine anderes Mal verschlossen und dicht. Und dann sind da noch die feinen Linien zu betrachten, die den Flächen ruhige und leise Töne hinzufügen. Gekonnt wird sowohl mit der Vorder- als auch der Rückseite transparenter Stoffe gespielt, einzelne Stiche von Hand werden so zu einem langen Linienspiel, fügen sich auf wundersame Weise zu Gespinnsten und Flächen.
Die Techniken unterstützen jede auf ihre Weise die Auseinandersetzung mit den bereits genannten Themen. Zeit, Verfall, Dauer, Spuren organischer und nichtorganischer Veränderungen, all dies wird im Arbeitsprozeß durchlebt und festgehalten.

 

Gabi Mett

 

 

 

Statement

Ein Gefühl für Zeit und ihre hinterlassenen Spuren erlebbar zu machen, ist Motivation und Anreiz für viele meiner Arbeiten.

Gegenwärtige Werke zeigen häufig Abstraktionen rhythmisch verlaufender Prozesse in stetigen oder unterbrochenen Linien und Oberflächenstrukturen.
Textile Reliefarbeiten in unterschiedlichen Formaten mit Furchen und Erhebungen drücken sich in wiederkehrenden oder zufälligen Vorkommnissen aus, die den Zeitraum ihrer potentiellen Entstehungen zusammenfasst.
Das verwendete haptische Material ist dabei ein wichtiger Aspekt, denn dadurch scheint mir der emotionale Ausdruck greifbarer zu werden.
Auch schafft die Verwendung von Geweben deutliche Assoziationen zu unserem eigenen Dasein.

Seitdem ich in früher Jugend mit der Verarbeitung textiler Materialien in Berührung gekommen bin, verbindet mich der Wunsch mit dessen Handhabung umgehen zu können und neue Ausdrucksformen mit diesen „Stoffen“ zu finden.
Nach vielen Jahren der Kursleitertätigkeit als „Vermittlerin“ textiler Techniken, ist das Bedürfnis eigene Wege einzuschlagen wieder in den Mittelpunkt gerückt.

Neue Materialien sind im Laufe der Zeit mit Textilem kombiniert worden, so dass die Bezeichnung „mixed media“ wohl heute eher auf meine Arbeiten zutrifft.